Dieser ganze Adical-Streit wird doch eigentlich von den Leuten geführt, die nach Johnnys Ansicht (siehe hier) sowieso “Heavy User” und somit von der Kampagne nicht wirklich betroffen sind. Denn die Personen, die sich darüber aufregen sind doch Blogger – sie verbringen also eine Menge Zeit im Internet und haben, gehen wir mal davon aus, wenigstens oberflächlich Ahnung von dem Ganzen. Deswegen benutzen sie wohl fast alle Adblocker und sehen die nervigen Banner erst gar nicht – oder abonnieren die Feeds in denen es wohl keine Werbung gibt und nicht geben soll.
Die Diskussion ist natürlich trotzdem nötig.
Für mich stand es nie zur Debatte in Verbindung mit Kosten oder Einnahmen zu bloggen. Nun könnte man natürlich sagen: Wer will denn auch bei dir werben…
Bei Livejournal kann man ja inzwischen wählen – entweder werbungsloser Paid-Account (mit tollen Privilegien wie mehr Bilder und Telefoneintrag und Umfrage und sowas), werbeunterstützer Version (auch mehr Bilder und Design und so etwas) und halt kostenlosem Account.
Ich habe dort von Anfang an kostenlos gebloggt. Das wird auch so bleiben. Davon abgesehen, dass mir Userbilder und so etwas nicht so wichtig sind, finde ich es halt einfach nicht sinnvoll oder unterstützenswert (livejournal ist durchaus unterstützenswert – nicht aber die werbeunterstütze Version). Wie man das handhabt soll aber nun doch letztendlich jeder selbst entscheiden. Vielleicht denke ich aber auch nur wegen meines tollen Adblockers so…
Für mich soll bloggen sowieso kostenlos bleiben und momentan habe ich auch nicht vor das Ganze irgendwie mit Werbung zu finanzieren. Hier gerne wieder der Einwand. Wenn aber Leute, die eine Menge Zeit und vielleich auch etwas Geld in einen guten Blog investieren, die Möglichkeit haben Geld damit einzunehmen – dann ist das wohl ihre eigene Entscheidung. Natürlich können die davon Betroffenenen sich darüber aufregen und die Frage ist, ob der “du musst es ja nicht lesen”-Kommentar hier zählt, aber trotzdem finde ich das Ganze weit weniger schlimm als die meisten es darstellen.
Viel Schlimmer finde ich es das Alles so aufzublähen und Professionalisierung zu schreien. Natürlich braucht ein Konzept Werbung – und sei das Konzept Werbung – so neu ist das genauso wie die sogenannte Blogosphäre aber nicht.
Kritisieren kann man auch diese “Elitenbildung” – von A-Bloggern zu sprechen – ist das sinnvoll?
Ich weiß es nicht. Natürlich gibt es eine hohe Anzahl von Bloggern, die sehr viel gelesen werden. Das liegt zum einen daran, dass sie einfach gut schreiben/recherchieren oder Interessantes erzählen – zum anderen aber auch daran, dass sie die ganze Zeit aufeinander verlinken. Das ist Community-Bildung, dieses mal halt in einem offenen Raum, nicht in einem geschlossenen Forum. Das ist okay, das ist sogar gut. Man könnte jetzt schreien: Das haben wir damals so wenigen Deutschen doch schon vor 6 Jahren bei Lj gemacht – ist aber blöd. Aber Fakt ist, dass es da schon lange eine überraschend persönlich und gut funktionierende Community gibt, in der, wenn man so will, auch sogenannte A-Blogger existieren. Das zeigt sich aber nur dadurch, dass sie auf vielen Freundeslisten sind oder viele Kommentare anziehen, bzw. halt verlinkt werden. Man kann dort aber nicht durch Views Schwanz vergleichen: Und vor allem spielt sich vieles in einem friends-only-Bereich ab – die öffentlichen Besucher werden somit ausgeschlossen. Was ich damit sagen will: macht doch was ihr wollt. Nur nicht so ein unnötiger Hype bitte.
Ich weiß, dass in Bloghausen momentan ganz schön viel Gutes und Interessantes passiert. Sonst würde ich wohl kaum diesen Blog hier begonnen haben – aber realistisch wollen wir doch bitte bleiben.
Ich kann übrigens sagen, und ich schäme mich nicht wirklich dafür, zum ersten Mal mit meinem Schreiben hier im Internet Geld zu verdienen. Undzwar nicht hier im Blog, sondern bei purerock.de.
Ich finde das ist noch einmal was anderes, weil es eine Musikplattform ist, für die ich seit Jahren kostenlos arbeite. Unser einziges Gehalt waren bisher die Promo-CDs und die Gästelistenplätze (an die man sich leider viel zu schnell gewöhnt). Inzwischen schalten wir aber Bannerwerbung dort und können somit die Serverkosten decken und vielleicht noch ein paar Euro dazu herausbekommen. Purerock.de lief lange nur im Minus, inzwischen ist das anders und das ist gut, da wir so mit der ganzen Sache weitermachen können. Wenn einer der Redakteure einen Bannerkontakt vermittelt, dann wird er mit 25% an den Einnahmen beteiligt. Das ist nicht mehr als ein paar Euro Taschengeld, wir nennen es nicht Arbeit, wir können es nicht mal Nebenjob nennen… aber es zeigt, dass man das auch betreiben kann, ohne dass man nur arbeitet ohne etwas davon zu haben. Wiegesagt: Ich fühle mich deswegen nicht schlecht. Aber das Konzept ist auch ein anderes – oder vielleicht doch nicht?
29. April, 2007 um 7:13
Ich glaube, dass die, äh, Stoßrichtung der Kritik die ist,… Manche Leute befürchten, man würde mit Werbung anders bloggen als ohne. Und jetzt nicht nur bezogen auf irgendwelche Gefahren der Schleichwerbung, die es natürlich auch gibt, sondern darauf, dass die Leute, die Werbung in ihren Blogs schalten, sich auf lange Sicht anpassen könnten, um Werbekunden nicht zu verlieren. So eine Art innere Zensur. Ob da was dran ist, weiß ich nicht; die Befürchtungen sind für mich verständlich, aber nicht der Hype, der drum gemacht wird.
29. April, 2007 um 7:27
eben. siehe hype.
ich weiß nicht, ob es eine innere zensur gibt. inwiefern stehen denn die blogger in direktem kontakt mit den firmen? das ist doch der gedanke dahinter oder? das adical das übernimmt als mittler oder?
aber es stimmt natürlich. wer finanziell abhängig von etwas ist, kann nicht mehr dagegen schreiben. von wegen sich den eigenen ast absägen…
29. April, 2007 um 8:10
Es ist schon sehr interessant zu beobachten, wie stark diese normative Aufladung des Bloggens bei manchen Leuten ist, am Lautesten ist wohl der Don. Man kann ja gerne drüber schreien, aber sich Sorgen machen müsste man eigentlich nicht, es lesen ja viel zu viele Leute mit, und irgendein Bullshit wäre sofort jemandem aufgefallen. Das lustige Verlink-Spiel ginge sofort los, wieder irgendein “Web-Skandal”. Und das die “innere Zensur” angeht,.. Nach einer Weile würden’s die Leser schon merken und ihre Entscheidungen treffen.
Es ist ja alles mehr oder weniger transparent, jedenfalls, nicht so intransparent, wie man meinen könnte; und Skandalisierungspotenziale lauern auch überall
29. April, 2007 um 8:18
word.
2. Mai, 2007 um 4:45
Die Idealsituation ist erreicht, wenn sich der einzelne Blogger nicht um die Anzeigen kümmern muss, sondern das nur adicals Aufgabe ist (oder wessen auch immer). Trotzdem kann es, je nach Charakter des Einzelnen, bestimmt zu ganz selbstgemachten (dadurch aber nicht unwichtigeren) Gewissenskonflikten kommen, darüber sollte man sich klar sein.
Die Frage der Unabhängigkeit des Mediums bei Werbeschaltungen ist keine neue, die klassischen Medien beschäftigt sie schon seit Jahrzehnten. Für Blogs mag sie noch neu sein, aber da müssen wir durch.
Und: wer ist schon komplett unabhängig und frei von Fragen beim Bloggen? Ich weiß bei den meisten Bloggern nicht, womit sie ihr Geld verdienen und kann daher auch nicht beurteilen, ob sie wirklich “frei von der Leber” schreiben. Was passiert, wenn z.B. ein Arbeitgeber das Blog eines Angestellten liest und ihm das nicht passt und er mit Rauswurf droht? Für welche Unternehmen arbeitet ein freier oder angestellter Grafiker und hat das Einfluss auf sein Blog? Coded ein Blogger, der Programmierer ist, nur für “gute” Firmen? Und wie beurteilt er das? Fragen über Fragen…. ;)
2. Mai, 2007 um 9:24
Hallo Johnny,
vielen Dank für deinen Kommentar; er beweißt, dass das Verlink-Spiel umso erfolgreicher ist. ;) Trotzdem danke für den Besuch in meinem doch recht neuen Blog.
Inwiefern ist diese Idealsituation bei adical noch nicht erreicht?
Natürlich ist das Problem der Werbeschaltung seit es Werbung gibt eng mit der evtl fragwürdigen Unabhängigkeit verbunden. Wenn wir aber von “größeren” Medien sprechen, so sind das immer welche, die von mehreren Personen betrieben werden. Beim Blogger handelt es sich im Zweifelsfall um eine Einzelperson, die, wenn sie denn Finanziell abhängig ist, natürlich leichter beeinflusst werden kann. Ich sehe dort aber eigentlich auch nicht das Problem, das alle dort zu sehen meinen. Wie schon einige “Skandale” in der Blogosphäre zeigten, sind Blogger sehr sensibel gegenüber so etwas geworden.
Fraglich ist für mich mehr der Hype, der darum gemacht wird, wie ich auch schreibe. Natürlich findet sobald Menschen wirklich genug Geld mit bloggen verdienen, um es Beruf zu nennen, eine Professionalisierung statt. Genauso auch dadurch, dass plötzlich vermehrt Personen schreiben, die das Schreiben und recherchieren gelernt oder studiert haben.
Diese “A-Blogger-Elite” entsteht aber auch durch (siehehöre letzte Trackback-Sendung) andere Faktoren. Von wegen laut schreien und verlinken.
Ist Adical vielleicht die Exzellenz-Initiative der Blogosphäre?