Japanische Tattoos – Teil 2

By dergutename

Teil 1 (Kurze Einführung, eher zu Horimono und Irezumi)
Teil 3 – Schriftzeichen und Namen
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Auf Anfrage eines Bekannten:

„Hallo xxxx,

hier meine Antwort auf deine Frage bezüglich des japanischen Tattoos für die Tochter deiner Bekannten. [Anm.: leider ist ihr Vater vertorben und sie möchte sich den japanischen Satz "Papa, ich vermisse dich" als Tattoo stechen lassen]
Wie du vielleicht schon während unseres Telefonats gemerkt hast, ist die Sache nicht ganz so einfach. Deswegen fällt diese Email etwas länger aus.


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Ich würde ihr grundsätzlich von diesem Tattoo, in der Art wie sie es sich vorstellt, abraten.
Es tut mir leid das so zu sagen, aber mit dieser Idee sind einige Schwierigkeiten verbunden. Ich werde versuchen diese verständlich zu erklären. Falls sie diese Idee trotzdem umsetzen will, so will ich dennoch versuchen mit Zeichen / Übersetzung zu helfen.

Ein Tattoo ist ja schon etwas, was eigentlich ein Leben lang hält, man ist also gezwungen für immer damit herumzulaufen. Je nach Stelle sehen andere Leute das Tattoo, bei einem japanischen Tattoo muss genauso wie in anderen Sprachen davon ausgegangen werden, dass irgendjemand das dort Tättowierte versteht.

Warum will sie sich diesen Satz gerade auf Japanisch tättowieren lassen? Weil er auf Deutsch nicht schön klingt oder aussieht? Ich denke, man muss auch bei japanischen Tattoos bedenken, dass sie, genau wie Sätze in allen anderen Sprachen, eine Bedeutung haben, die verstanden und interpretiert werden kann.
Insofern sollte sie sich dieses Tattoo wirklich nur stechen lassen, wenn sie zu der Bedeutung auch im Deutschen steht (aber das ist nur meine Meinung).

Zum Inhalt des Satzes. Ich habe mich mit einem japanischen Freund besprochen und werde mal versuchen das Ergebnis zusammenzufassen:

Es geht ja um den Satz „Papa, ich vermisse dich“.
Dieser ist grundsätzlich schonmal sehr persönlich, was für Japaner eine relativ intime Sache ist. Sie würden so etwas normalerweise nicht nach aussen tragen und erst recht nicht für andere sichtbar als Tattoo.
Dazu kommen einige Probleme bei der Übersetzung.
Wenn man den Satz ganz einfach übersetzt, dann klingt er entweder so, als hätte sie Familienprobleme gehabt (was hoffentlich nicht der Fall war), oder so sehr… mädchenhaft. Sehr leicht bekommt die Übersetzung eine negative Konnotation…

Mein japanischer Freund gab als Beispiel für das Mädchenhafte „papa samishii“ an. Das könnte aber irgendwie auch suggerieren, dass ihr Vater als Geist zurückkehrt, sagt er. Du merkst, es ist nicht wirklich einfach.

Wenn es einfach nur die Erinnerung sein soll und keine negative oder merkwürdige Konnotation beinhalten soll, so wäre eine sehr einfache Lösung wohl die Beste. Dazu würde einfach das Zeichen für Vater (父 – falls dein Computer asiatische Schriftarten anzeigen kann, müsstest du hier nun das Zeichen sehen, es wird „chichi“ gelesen, aber man muss etwas bei der Aussprache aufpassen, es kann nämlich auch Brüste heißen – das Zeichen bedeutet aber wiederum ganz eindeutig Vater, keine Verständnisprobleme).
Mein Freund schlägt als Alternative auch noch das in der Silbenschrift Katakana geschriebene „オヤジ“ (oyaji) vor, ich habe aber das Gefühl, dass er dieses eher benutzt, weil er ein Mann ist – von Frauen wird es wohl eher selten gebraucht.

Mein Freund schreibt noch dazu:


Als Tattoo ist es nicht normal für uns. Es hat eine zu starke Bedeutung..
So kann ich es leider nicht als einfaches Denkmal benutzen… Aber wir schreiben und zeigen normalerweise für Aussenstehende unsere Emotion nicht. Fuer Freunde, Famile, OK.
aber Tattoo.. alle würden sie angucken.
Ja, aber das ist egal fuer Europear.

Also. Wenn sie ihren Vater wirklich durch ein japanisches „Denkmal“-Tattoo ehren will (was ja grundsätzlich eine schöne Idee ist, ich hoffe ich habe sie durch diese Mail nicht irgendwie verletzt… ich will nur nicht, dass sie sich etwas stechen lässt, was sie später bereut), dann wäre das einfache Zeichen für „Vater“ wohl der beste Weg. Bei mehr müsste man übrigens auch, anders als im Chinesischen, Silbenschriftzeichen dazunehmen, diese sehen lange nicht so kunstvoll aus wie Kanji (also die chinesischen und japanischen Zeichen). Auf Chinesisch sähe der ganze Satz vermutlich eher so aus, wie sie es sich vorstellt – mit Chinesisch und den dortigen Bedeutungen kann ich aber leider nicht dienen.

Ich schicke dir im Anhang zwei Bilder des Zeichens für Vater. Undzwar einmal in Druckschrift, und einmal in etwas schönerer Schrift. Die Zeichen sind bei Druckschrift natürlich am leichtesten zu lesen, sehen dann aber für Japaner aus wie Druckbuchstaben für uns (und die würde sich wohl auch keiner tättowieren lassen).

Zudem kann man bei diesem Link: http://www.stockkanji.com/Family/Father.htm
6 Kalligraphien für das Zeichen sehen. Die sehen natürlich, weil mit Pinsel gemalt, wesentlich kunstvoller aus.

Noch einmal am Schluss: Falls sie sich zu diesem Tattoo entscheiden sollte, dann sollte sie zu einem Tättowierer gehen, der ein wenig Ahnung von Zeichen hat und vielleicht weiß, in welcher Strichreihenfolge diese geschrieben werden. Ich kann aber hier leider keinen empfehlen und weiß auch nicht, ob es in Berlin so etwas gibt.

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Ich hoffe, ich konnte dir bzw. ihr ein wenig weiterhelfen.

Gruß,
Christopher“

Eine Antwort zu „Japanische Tattoos – Teil 2“

  1. Horimono/Irezumi - Japan und Tattoos « Der gute Name sagt:

    [...] Japanische Tattoos – Teil 2 « dergutename Says: Mai 10th, 2007 at 1:53 vormittags [...]

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