Studierbarkeit?

By dergutename

Heute erschien im Tagesspiegel ein Artikel mit dem Titel

Student im Stress – Bis in die Nacht schuften: Das Bachelor-Studium fordert viel – zu viel, wie sich nun zeigt„.

In diesem geht es um die aktuelle Studierbarkeitsdiskussion und die Umfragen, die an HU und FU durchgeführt wurden/werden. Die laufende Umfrage für die FU, von der sich die UNI selbst distanziert und die Fragen als „zu suggestiv“ einstuft, kann inzwischen auch Online beantwortet werden (wie FU Watch berichtet).
Ich bin bin ja selbst kein BA-Student, sondern im letzten Magister-Jahrgang. Trotzdem bin ich durch FSI-Arbeit und durch die Umstrukturierungen direkt vom Bachelor betroffen. Was der Tagesspiegel-Artikel richtig herausstellt ist folgendes:


„Gegenüber den Befragten in alten Studiengängen [...] unterscheiden sich die Zahlen nur um wenige Prozentpunkte. [...]„.
Vor allem durch die auslaufenden, bei mir sogar den parallel laufenden Magister-Studiengang halbieren sich die Kapazitäten. Sämtliche Grundstudiumskurse laufen in diesem Semester aus, es ist das vierte Regelstudienzeit-Semester für den letzten Magister-Jahrgang. Der „Stress“ wird also für die Magister ähnlich groß wie für die BA-Studenten – die bisherige Flexibilität wird dadurch eigentlich aufgehoben. Es ist zudem ein Gerücht, dass bei uns keine Anwesenheitspflicht existiert. Die Anwesenheiten werden, zumindest in meinen Kursen, genauso wie im BA gehandhabt und kontrolliert – darüber sind viele BAs immer sehr überrascht, wenn sie sich über die Studierbarkeit beschweren. Aber natürlich ist der BA wesentlich verschulter und fester geregelt, das hat einige Vorteile, aber auch viele Nachteile – gerade bei dieser recht wirren Einführung.

Wie sieht es aber von der FU her aus mit der Studierbarkeit und der aktuellen Studienplanung?
In diesem Jahr befindet sich der erste BA-Jahrgang im sechsten Semester – also nach Planung am Ende seines Studiums. Die FU hatte in ihrer Planung eine Prozentzahl von 70% angegeben, die nach diesen 6 Semestern genug Credits besitzen sollten, um ihren Bachelor zu erwerben. Nach den aktuellen Berechnungen haben aber nur 19% dieser Studierenden überhaupt genug Credits. Das heißt, 81% haben oder konnten nicht innerhalb der sechs Semester so viel studieren/erbringen wie sie eigentlich hätten müssen.
Doch wieviele von denen, die im WS 2004/05 mit dem BA-Studium begonnen haben, sind überhaupt noch übrig? Anscheinend haben es nur 54% überhaupt bis zu diesem Semester geschafft. 46% haben ihr Studium abgebrochen oder gewechselt. Beim zweiten BA-Jahrgang sind es noch 67%, die übrig sind.
Das klingt erst einmal bestürzend. Zumindest ist die Planung (möchte man sie utopisch nennen?) kräftig danebengegangen.
Aber. Sind die Zahlen wirklich so bestürzend? Wie sah es denn beim Magister aus?
Die Antwort lautet: Ganz ähnlich.
Die Abschlussquote beim Magister lag nämlich bei 43%. Das heißt mit 54% sieht es vielleicht gar nicht so anders aus als sonst – und, da sowieso alle wissen, dass die Maluspunkte momentan ausgesetzt sind und sowieso kein Student bis in nicht absehbare Zeit Probleme wegen seiner Studiendauer bekommen wird, können vielleicht auch die 81%, die bis jetzt noch nicht genug Credits haben, ihr Studium abschließen (wenn sie denn wollen).
Lediglich die Vorstellungen der Universität scheinen mal wieder völlig unrealistisch. 70% wären schön – doch, wenn Herr Lenzen nicht in nächster Zeit mit einem Sack voller Credits herumläuft und sie an die Studierenden verteilt, dann wird das wohl leider nichts in naher Zukunft…

p.s.:
Im Tagesspiegel-Artikel steht auch, dass viel Studierende sich nicht trauen ein Auslandssemester zu absolvieren, da sie durch das Angebot (das meistens auf zwei Semester ausgelegt ist) ein Jahr hinterher wären – das stimmt leider. Aber auch ich als Magister werde durch mein geplantes Auslandsjahr große Nachteile haben und evtl. Probleme mit den auslaufenden Kursen, vor allem an meiner Zweit-Uni, bekommen – die letzten Magister haben hier also genau die gleichen Probleme wie die aktuellen BAs.

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